Akt 01 · Die MeldungDrei Rekorde in neun Tagen, ein einziger Auslöser

Zwischen dem 22. und dem 30. Juli 2026 legten Alphabet, Microsoft und Amazon ihre Quartalszahlen vor. Alle drei meldeten Rekorde, zusammen 210 Milliarden Dollar Nettogewinn in einem Quartal. In Amazons Pressemitteilung steht dazu ein Satz, den kaum jemand zitiert hat.

Amazon, Q2 2026 · ein Satz aus der Pressemitteilung

„Second quarter 2026 net income includes non-operating pre-tax other income of $53.4 billion, primarily from our investments in Anthropic.“[01]

Von 62,6 Milliarden ausgewiesenem Gewinn sind 53,4 Milliarden keine Einnahme. Kein Kunde hat dafür gezahlt, kein Cent ist geflossen.

Amazons lag im selben Zeitraum auf Zwölfmonatssicht bei minus 7,604 Milliarden. Ein Jahr zuvor waren es plus 18,184[01].

„Rekordgewinn“ und „kein Geld verdient“ standen im selben Dokument.

Beides stimmt. Es ist eine Bilanzierungsregel, kein Widerspruch.

Was ein Buchgewinn ist, in einem Bild

Stell dir vor, du hast vor drei Jahren ein Haus gekauft. Gestern hat dein Nachbar sein baugleiches Haus für das Doppelte verkauft. Deins ist damit auf dem Papier doppelt so viel wert. Du hast keinen Cent bekommen, kannst davon nichts kaufen, und wenn der Markt dreht, ist der Zuwachs wieder weg.

Der einzige Unterschied zu Amazon: du musst das nicht als Einkommen in deine Steuererklärung schreiben. Ein US-Konzern muss es in seine Gewinn- und Verlustrechnung schreiben. Das ist ein .

Der Nachbar heißt hier . Am 28. Mai 2026 flossen 65 Milliarden Dollar frisches Kapital in Anthropic, zu einer Bewertung von 965 Milliarden[05]. Amazon hatte über drei Jahre 13 Milliarden in dieselbe Firma gezahlt[08] und schreibt diesen Anteil jetzt auf den neuen Preis hoch. Die Differenz ist der Gewinn.

Wer diese 65 Milliarden aufgebracht hat, ist die interessantere Frage. Die Antwort steht in Akt 03.

Das ist legal, geprüft und Standard. Es hat nur zwei Eigenschaften, die im Wort „Gewinn“ nicht mitschwingen: Man kann es nicht ausgeben, und es kann sich umdrehen.

Diagramm 01 · Gemeldet und geflossen
Drei Konzerne, dasselbe Quartal, dieselbe Beteiligung im Hintergrund.
gemeldeter Nettogewinn davon Buchgewinn nach Steuern Quartal zum 30. Juni 2026
Alphabet · gemeldeter Nettogewinn
112,2 Mrd. $[02]
Plus 298 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
davon Buchgewinn nach Steuern
77,1 Mrd. $
69 Prozent des Gewinns. Freier Cashflow im Quartal: minus 5,855 Mrd.
Ein einziger Posten: „gain on equity securities, net“ über 99,031 Mrd. Alphabet nennt in der Pressemitteilung nur die Summe. Der Einzelwert der Beteiligung steht nur in einem separaten Filing[06].
Amazon · gemeldeter Nettogewinn
62,6 Mrd. $[01]
Plus 245 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
davon Buchgewinn nach Steuern
rund 41,6 Mrd. $[△]
66 Prozent des Gewinns. Freier Cashflow auf Zwölfmonatssicht: minus 7,6 Mrd.
Vorsteuerlich sind es 53,415 Mrd. Amazon selbst schreibt dazu „primarily from our investments in Anthropic“. Der Nachsteuer-Wert ist abgeleitet, Amazon nennt ihn nicht.
Microsoft · gemeldeter Nettogewinn
35,8 Mrd. $[03]
Plus 31 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
davon Buchgewinn nach Steuern
rund 3,1 Mrd. $[△]
9 Prozent des Gewinns. Freier Cashflow im Quartal: plus 19,6 Mrd.
3,2 Mrd. aus Anthropic, so in der Pressemitteilung genannt und ohne Steuerangabe, dazu 0,48 Mrd. aus OpenAI, die Microsoft bereits als Nachsteuer-Effekt ausweist. Microsoft steckt in derselben Sache und meldet einen Bruchteil. Warum, steht in Akt 02.
Aggregat Q2 2026 · Amazon und Alphabet zusammen
gemeldeter Gewinn
174,8 Mrd. $
Summe der ausgewiesenen Nettogewinne
freier Cashflow
−13,5 Mrd. $
im selben Quartal: Alphabet −5,9, Amazon −7,7[△]
152,4 Mrd. Neubewertungsgewinn stehen vorsteuerlich in den beiden Gewinnrechnungen (53,4 plus 99,0). Nach Steuern bleiben davon rund 118,7 Mrd., also gut zwei Drittel des gemeldeten Nettogewinns. Das Verhältnis „Buchung zu Cash“ lässt sich trotzdem nicht bilden, weil der Nenner negativ ist. Mit Microsoft sind es über alle drei rund 210 Mrd. gemeldeter Nettogewinn und rund 122 Mrd. Buchgewinn nach Steuern, also 58 Prozent[△].
Quellen: Amazon Earnings Release Q2 2026 (30.07.2026)[01] · Alphabet Earnings Release Q2 2026 (22.07.2026)[02] · Microsoft FY26 Q4 (29.07.2026)[03]. Amazons Cashflow-Wert ist der Zwölfmonatswert, Alphabet und Microsoft zeigen Quartalswerte. Nachsteuer-Werte für Alphabet und Microsoft aus den jeweiligen Fußnoten, für Amazon aus dem 10-Q abgeleitet[△].

Akt 02 · Die RegelWer mehr besitzt, darf weniger buchen

Microsoft ist der Kontrollfall: Der Konzern hält Anteile an beiden großen KI-Laboren. Im selben Quartal, in dem Amazon 53 Milliarden bucht, steht bei Microsoft in der gesamten Zeile für nicht-operative Erträge ein Plus von 3,444 Milliarden[03]. Ein Jahr zuvor stand dort ein Minus von 1,707 Milliarden.

Diagramm 02 · Microsofts Paradox
Die kleinere Beteiligung bringt den größeren Buchgewinn. Um fast das Siebenfache.
① Die kleine Position · Anthropic
Eingezahltrund 5 Mrd. $, investiert im November 2025[07]
Anteildeutlich unter der Beteiligungsschwelle
RegelASC 321, Neubewertung bei jeder Finanzierungsrunde
Ergebnisplus 3,2 Mrd. $ im Quartal[03]
② Die große Position · OpenAI
Eingezahlt11,9 Mrd. $ von 13,0 zugesagt, Stand 30.06.2026[16]
Anteilrund 25 Prozent „on an as-converted basis“, über der Schwelle[16]
RegelASC 323, Equity-Methode nach HLBV, Wert zählt nicht
Ergebnisplus 0,48 Mrd. $ im Quartal[03]
Microsoft hat in OpenAI mehr als doppelt so viel Geld gesteckt wie in Anthropic, und die Position gilt in der Berichterstattung als rund 135 Mrd. wert[17]. Trotzdem bringt sie ein Siebtel des Ergebnisbeitrags der kleinen Wette. Der Grund steht nicht in der Geschäftsentwicklung, sondern im Regelwerk.
Quellen: Microsoft FY2026 Q4 Pressemitteilung und GAAP-Überleitung (29.07.2026)[03], dort wörtlich „These include a $3.2 billion gain from our investment in Anthropic“. Zusage, Einzahlung, Anteil und HLBV-Methode aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026[16]. Wichtig: Die 135 Mrd. sind ein geschätzter Marktwert der Beteiligung, kein Bilanzwert. Unter der Equity-Methode steht in Microsofts Büchern ein weit niedrigerer Betrag, nämlich die Einzahlungen abzüglich der übernommenen Verluste.

Die 20-Prozent-Schwelle

Im US-Bilanzrecht entscheidet die Höhe der Beteiligung darüber, was überhaupt in der Gewinnrechnung landen darf. Die Grenze liegt bei rund 20 Prozent der Stimmrechte: ab dort wird vermutet, dass ein Investor maßgeblichen Einfluss ausübt[13].

Unterhalb der Schwelle gilt . Weil es für eine nicht börsennotierte Firma keinen laufenden Kurs gibt, greift die sogenannte : bewertet wird zum Anschaffungspreis, angepasst wird nur bei einem beobachtbaren Preisereignis. Ein solches Ereignis ist eine neue Finanzierungsrunde. Hier sitzen Amazons und Alphabets Anthropic-Anteile.

Oberhalb der Schwelle gilt , die Equity-Methode. Dann bucht der Investor nicht mehr den Wert der Beteiligung, sondern seinen Anteil am Ergebnis des Beteiligungsunternehmens. Bei einem KI-Labor, das Milliarden verbrennt, ist das eher ein Verlustkanal, Wertsteigerungen tauchen gar nicht mehr auf.

Je größer die Beteiligung, desto weniger darf ihr Wertzuwachs in den Gewinn.

Dieselbe Regel beschert Amazon und Alphabet ihre Rekordzahlen: Beide halten Anthropic bewusst unterhalb der Schwelle. Amazons Anteil läuft über stimmrechtsloses Vorzugskapital, Alphabets liegt bei rund 14 Prozent.

Alle drei Buchgewinne haben denselben Auslöser: Anthropics Series H am 28. Mai 2026 fällt in das Quartal aller drei Konzerne. Ein einziges Preisereignis bei einer Firma, an der keiner die Mehrheit hält, bewegt drei Gewinnrechnungen. Bekommen hat davon keiner einen Dollar.

War das immer so? Nein, die Regel gilt erst seit 2018

Bis Ende 2017 galt für Beteiligungen ohne Börsenkurs die cost method: Der Anteil stand zum Anschaffungspreis in den Büchern und blieb dort. Wertsteigerungen tauchten in der Gewinnrechnung nicht auf, sie wurden erst zum Gewinn, wenn tatsächlich verkauft wurde, also wenn Geld floss.

Im Januar 2016 hat der US-Standardsetzer FASB das umgestellt. ASU 2016-01 schaffte die cost method ab, Beteiligungen sind seither zum beizulegenden Zeitwert anzusetzen, und Wertänderungen laufen durch die Gewinn- und Verlustrechnung. Für Konzerne mit Kalendergeschäftsjahr gilt das ab dem Geschäftsjahr 2018. Aus dieser Umstellung stammt auch die measurement alternative[14].

Hätte Anthropic dieselbe Runde 2017 abgeschlossen, stünde bei Amazon an dieser Stelle eine Null.

Dass die Umstellung die Gewinne unruhiger machen würde, war damals bekannt. EY schrieb 2016 für Mandanten, die cost method sei für Beteiligungen ohne verlässlich bestimmbaren Marktwert nicht mehr anwendbar, und daraus folge:

„The new guidance could significantly increase earnings volatility for some entities, especially those that hold significant investments in equity securities they classified as AFS before adopting ASU 2016-01.“EY, Technical Line zu ASU 2016-01[14]

EY hatte dabei vor allem börsennotierte Beteiligungen im Blick, deren Wertschwankungen bis dahin am Nettogewinn vorbei ins Eigenkapital liefen. Die Rekordzahlen von heute stammen aus dem anderen Zweig derselben Umstellung, den Beteiligungen ohne Börsenkurs. Recht behalten hat die Warnung trotzdem: Der ausgewiesene Gewinn schwankt seither aus Gründen, die mit dem Geschäft nichts zu tun haben.

Die 53,4 Milliarden sind kein Trick und keine Grauzone, sondern die vorgeschriebene Folge einer Regel, die es erst seit acht Bilanzjahren gibt. Sichtbar wird sie erst jetzt, weil es vorher keine Privatfirmen gab, deren Bewertung sich binnen zwölf Monaten verdreifacht, während Konzerne mit zweistelligen Milliardenanteilen daran sitzen.

Dasselbe Ereignis, drei unterschiedlich offene Mitteilungen

Alle drei buchen aus demselben Anlass, aber sie sagen unterschiedlich deutlich, woher der Gewinn kommt.

KonzernWo die Zahl stehtWird die Beteiligung benannt?
Amazon Pressemitteilung, dritter Aufzählungspunkt, im Klartext: „non-operating pre-tax other income of $53.4 billion“[01] Ja, wörtlich „primarily from our investments in Anthropic“
Alphabet Pressemitteilung als Aggregatzeile „Gain on equity securities, net“ über 99,0 Mrd., Nachsteuer-Effekt in der Fußnote[02] Nein. Der Wert einer nicht benannten Beteiligung steht in einem separaten Filing, die Zuordnung stammt von Bloomberg[06]
Microsoft Pressemitteilung, im Abschnitt zu Sonderposten: „These include a $3.2 billion gain from our investment in Anthropic“. Der kleinere OpenAI-Effekt über 480 Mio. steht zusätzlich in einer eigenen Überleitungstabelle[03] Ja, beide Beteiligungen namentlich. Microsoft weist als einziger sogar einen um die Beteiligung bereinigten Gewinn aus
Keine dieser drei Varianten ist ein Verstoß. Vorgeschrieben ist die Zeile, nicht der Name dahinter. Trotzdem fällt der Unterschied auf: Ausgerechnet Alphabet, das mit 99 Milliarden den größten Buchgewinn meldet, nennt als einziges der drei nicht, woher er stammt. Wer es wissen will, muss ein separates Filing lesen und sich die Zuordnung von einer Nachrichtenagentur holen.

Akt 03 · Die KurveVor einem Jahr waren es zwei Milliarden

Die Zahlen aus Akt 01 sind ein Standbild. Die Bewegung sagt mehr: derselbe Posten, sechs Quartale hintereinander, bei denselben zwei Konzernen.

Diagramm 03 · Sechs Quartale, dieselbe Zeile
Von 2,4 auf 152,4 Milliarden. Der Buchgewinn wächst nicht, er springt.
Amazon Alphabet Buchgewinn vorsteuerlich, Milliarden Dollar
Q1 2025
12,5
Q2 2025
2,4
Q3 2025
20,9
Q4 2025
3,5
Q1 2026
52,6
Q2 2026
152,4
Über alle sechs Quartale zusammen: 244,3 Milliarden Dollar Buchgewinn. Davon fallen 152,4 Milliarden, also 62 Prozent, in das letzte Quartal allein. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das der Faktor 63.
Amazon: Zeile „Other income (expense), net“, Alphabet: Zeile „Gain (loss) on equity securities, net“, jeweils aus den Earnings Releases der sechs Quartale direkt gelesen[01][02][15]. Vorsteuerliche Werte, weil nur diese für alle sechs Quartale ausgewiesen sind. Die beiden Zeilen sind nicht deckungsgleich: Alphabets ist ein reiner Beteiligungsposten, Amazons ist etwas breiter und enthält neben den Aufwertungen auf Beteiligungen an nicht börsennotierten Firmen (im letzten Quartal rund 50,5 der 53,4 Mrd.) auch kleinere Bewertungsposten wie Optionsrechte und Währungseffekte[△].

Erstens springt die Zahl, statt zu wachsen. Q2 und Q4 2025 liegen bei zwei bis dreieinhalb Milliarden, Q1 und Q3 dazwischen bei zwölf und einundzwanzig. Das ist kein Geschäftsverlauf, das ist ein Terminkalender: Gebucht wird nur, wenn eine neue Finanzierungsrunde stattfindet. Ein Ertrag mit diesem Muster lässt sich nicht fortschreiben, und das versucht jede Prognose.

Zweitens ist die Größenordnung neu. Im Quartal zum 30. Juni 2025 machten die Buchgewinne nach Steuern bei Amazon rund fünf Prozent des Nettogewinns aus, bei Alphabet rund vier. Ein Jahr später sind es zwei Drittel. Wer das für den Normalzustand hält, hält ein Jahr für einen Trend.

Und woher kam das Geld, das den Preis gesetzt hat?

Fremde bewerten Anthropic hoch, drei Konzerne schreiben ihre Anteile mit. Das ist unvollständig: Anthropic hat in der Series-H-Mitteilung aufgeschlüsselt, woher die 65 Milliarden stammen.

Diagramm 04 · Die Herkunft der 65 Milliarden
Ein knappes Viertel des Geldes, das den neuen Preis gesetzt hat, kam von den Konzernen, die darauf buchen.
Finanzinvestoren
rund 50 Mrd. $
Angeführt laut Anthropic von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital, co-geführt von Capital Group, Coatue, D1 Capital Partners, GIC, ICONIQ und XN, dazu unter anderem Blackstone, Brookfield, Fidelity, Jane Street, Lightspeed, MGX, T. Rowe Price und Temasek. Das ist frisches Eigenkapital von dritter Seite, und es setzt den Preis.
Hyperscaler, davon 5 Mrd. Amazon
15 Mrd. $
Bereits zugesagte Beträge derselben Konzerne, die auf das Ergebnis der Runde anschließend Buchgewinne ausweisen. Google ist in der Runde nicht als Geldgeber genannt, sondern über eine Zusage für fünf Gigawatt TPU-Kapazität mit Broadcom. Wer die übrigen 10 der 15 Milliarden aufgebracht hat, sagt Anthropic nicht.
„It also includes $15 billion of previously committed investments from hyperscalers, including $5 billion from Amazon.“ Anthropic, Series-H-Mitteilung vom 28. Mai 2026[05]
Aufteilung aus der Series-H-Pressemitteilung[05]. Die Restgröße von rund 50 Mrd. ist eine Differenzrechnung, Anthropic nennt die Einzelbeträge der Finanzinvestoren nicht[△].

Damit stimmt die Haus-Analogie aus Akt 01 nicht mehr ganz. Der Nachbar hat sein Haus nicht einfach teurer verkauft. Ein Teil des Kaufpreises kam von dir.

Gut drei Viertel der Runde sind Geld von Investoren, die mit Amazon, Google und Microsoft nichts zu tun haben. Der Preis von 965 Milliarden ist nicht von den Hyperscalern gemacht. Ohne sie ist er aber auch nicht zustande gekommen. Auffällig ist das Verhältnis von Einsatz zu Buchung: Amazon hat 13 Milliarden in Anthropic gezahlt und schreibt daraus in einem einzigen Quartal 53,4 Milliarden Gewinn. Das Vierfache dessen, was je überwiesen wurde.

Akt 04 · Die FolgenWarum das mehr ist als eine Fußnote

Man könnte einwenden: geschenkt, Analysten rechnen das ohnehin heraus. Das ist das beste Gegenargument, Gil Luria von D.A. Davidson sagt es so[04]. Trotzdem bleiben drei Punkte stehen.

Erstens: Der Zuwachs besteht fast nur aus dieser einen Position

Die Prozentzahl am Gewinn ist die harmlosere Sicht. Rechnet man auf den Zuwachs, sieht es anders aus. Auch im Vorjahresquartal standen bereits Buchgewinne in den Büchern. Wer sie nur aus dem aktuellen Quartal herausrechnet, vergleicht ein bereinigtes mit einem unbereinigten Jahr und drückt das Ergebnis. Die folgende Rechnung bereinigt deshalb beide Perioden.

Diagramm 05 · Der Gewinnzuwachs, mit und ohne
Über 90 Prozent des Zuwachses bei Amazon und Alphabet ist diese eine Position. Bei Microsoft die Hälfte.
Kennzahl, in Mrd. $AmazonAlphabetMicrosoft
Nettogewinn Vorjahresquartal18,228,227,2
davon Buchgewinn nach Steuern0,91,0−1,6
bereinigt, Vorjahr17,327,228,8
Nettogewinn Q2 202662,6112,235,8
davon Buchgewinn nach Steuern41,677,13,1
bereinigt, jetzt21,035,132,7
Anteil am Zuwachsrund 92 %rund 91 %rund 54 %
gemeldetes Wachstum+245 %+298 %+31 %
nachrichtlich: Bereinigung des Konzerns selbstkeinekeine+22 % (nur OpenAI)
Wachstum ohne Buchgewinnrund +22 %rund +29 %rund +14 %
Eigene Rechnung aus den gemeldeten Werten der drei Earnings Releases[01][02][03], beide Perioden bereinigt[△]. Alphabet nennt seinen Nachsteuer-Wert selbst, für Amazon und Microsoft ist er abgeleitet. Microsofts Quartal ist FY26 Q4 und endet am selben Tag. Zur Bandbreite: Rechnet man bei Amazon statt der ganzen Zeile nur die Anthropic-Aufwertung heraus, ergeben sich rund plus 32 statt plus 22 Prozent. Beide Abgrenzungen sind vertretbar, die hier gewählte ist die vorsichtigere. Methodik und Rechenweg im Making-of.

Plus 22 und plus 29 Prozent sind ordentliche Zahlen für Konzerne dieser Größe. Sie sind nur etwas anderes als plus 245 und plus 298.

Microsoft zeigt, dass die Sache in beide Richtungen läuft. Der Konzern meldet plus 31 Prozent und wirkt wie der solide Gegenentwurf zu den anderen beiden. Im Vorjahresquartal stand dort aber ein Verlust aus der OpenAI-Beteiligung von 1,575 Milliarden in den Büchern[03], der die Vergleichsbasis nach unten gedrückt hat.

Microsoft veröffentlicht die um die OpenAI-Beteiligung bereinigten Zahlen freiwillig neben den offiziellen und kommt damit auf plus 22 statt plus 31 Prozent[03]. Die Bereinigung lässt den Anthropic-Gewinn stehen, der im Quartal größer war. Rechnet man auch ihn heraus, bleiben rund 14 Prozent. Der Konzern mit dem kleinsten Buchgewinn ist damit der einzige der drei, dessen bereinigtes Wachstum unter dem gemeldeten liegt.

Zweitens: Es verzerrt inzwischen den ganzen Index

Der Datenanbieter hat für das Quartal nachgerechnet, was passiert, wenn man diese Posten herausnimmt. Das Gewinnwachstum des gesamten S&P 500 lag bei rund 48 Prozent. Ohne die Beteiligungsgewinne von Alphabet und Amazon wären es rund 29 gewesen[04].

Zwei Positionen in zwei Bilanzen erklären damit knapp zwei Fünftel des Gewinnwachstums der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen. Wer einen breiten Indexfonds bespart, hat das in seiner Rendite, ohne dass irgendwo ein zusätzlicher Dollar erwirtschaftet wurde.

Drittens: Es fällt in ein Quartal, in dem das Geld knapp wurde

Buchgewinne wären eine Randnotiz, wenn daneben der Cashflow stimmte. Er stimmt nicht. Amazons Investitionen der letzten zwölf Monate lagen bei 169,0 Milliarden gegen 161,4 Milliarden operativen Cashflow, also bei rund 105 Prozent[01]. Unter den großen Anbietern ist Amazon damit der einzige über hundert, die übrigen liegen laut einer unabhängigen Auswertung zwischen 57 und 63 Prozent[10]. Die langfristigen Schulden verdoppelten sich in einem halben Jahr von 65,6 auf 128,9 Milliarden[01].

Und Alphabet, ein Konzern mit rund 144 Milliarden Netto-Cash, hat im Juni 2026 Aktien ausgegeben: 49,6 Milliarden netto, dazu ein Programm über weitere 40 Milliarden[02]. Im selben Quartal, in dem es 99 Milliarden Buchgewinn ausweist, besorgt es sich frisches Eigenkapital.

Der Gewinn steht in der Gewinnrechnung. Das Geld kam von der Börse.

ClosingWas daraus wird

Die Frage, die offen bleibt

„Wird aus dem Papier je Geld?“

Ausgang A · Bullish

Die Buchgewinne werden real.

Anthropic hat am 1. Juni 2026 vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Kommt der auf oder über dem Series-H-Niveau, wird aus der Buchung ein Marktpreis, an dem sich Anteile tatsächlich verkaufen lassen. Amazons 13 Milliarden Einsatz wären dann echte Milliarden wert, und die Bilanzzeile hätte nur früher recht gehabt als die Kasse. Für diesen Ausgang spricht das Handfeste: Die Rechenzentren sind ausgelastet, auf KI-Chips wartet man Monate, und die Verträge dahinter sind unterschrieben.

Ausgang B · Bearish

Die Buchgewinne gehen in Flammen auf.

Fällt die Bewertung bei der nächsten Runde oder beim Börsengang, läuft derselbe Mechanismus rückwärts. Gleiche Zeile, gleiches Regelwerk, anderes Vorzeichen, und ohne dass ein Kunde weniger bestellt hätte. Die Fallhöhe ist bekannt: 244 Milliarden an Buchgewinnen aus sechs Quartalen, die nie durch eine Kasse gelaufen sind und deshalb auch nicht durch eine verteidigt werden können. Wer die Gewinne als Ertragskraft gelesen hat, wird den Verlust als Zusammenbruch lesen. Beides wäre gleich falsch.

Ausgang C · der Mittelweg, und das Wahrscheinlichste. Die Buchgewinne bleiben, und der ausgewiesene Gewinn hört auf, als Kennzahl zu funktionieren. Das passiert bereits: Analysten rechnen die Posten heraus, LSEG weist zwei Zahlen nebeneinander aus. Was übrig bleibt, ist eine Kennzahl, die man nur noch mit Fußnote lesen kann.

Der nächste Datenpunkt hat ein Datum: Nvidia meldet am 26. August 2026 sein zweites Quartal. Im Quartal davor stammten 15,9 von 58,3 Milliarden Nettogewinn aus Beteiligungsgewinnen, also gut 27 Prozent, und der Bestand an nicht börsennotierten Beteiligungen hat sich in drei Monaten von 22,3 auf 43,4 Milliarden fast verdoppelt[11]. Die 152 Milliarden aus diesem Artikel sind damit vermutlich noch nicht die ganze Zahl für dieses Quartal.*

Haftungsausschluss · Keine Anlageberatung · Offenlegung

* Diese Seite wird von Max Fraunhofer als privater Journalist betrieben und besitzt keine BaFin-Zulassung nach § 32 KWG. Der Artikel ist journalistische Analyse, keine Anlageberatung i.S.v. § 1 Abs. 1a S. 2 Nr. 1a KWG / § 2 Abs. 2 Nr. 4 WpIG und keine Anlageempfehlung i.S.v. § 85 WpHG in Verbindung mit Art. 20 der Marktmissbrauchsverordnung. Alle Zahlen stammen aus öffentlichen Pressemitteilungen, SEC-Filings, Earnings-Call-Transkripten und Medienberichten (siehe Quellenliste). Wo Belege nur mittelbar vorliegen, ist das im Text und in der Quellenliste gekennzeichnet. Vergangene Wertentwicklung ist kein Indikator für künftige Ergebnisse. Wer aufgrund dieses Artikels Investitionsentscheidungen trifft, tut das auf eigenes Risiko und sollte einen zugelassenen Finanzberater oder Steuerberater hinzuziehen.

Offenlegung (Interessenkonflikt): Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung direkte Aktienpositionen u.a. in Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta, ASML und TSMC sowie breit gestreute Indexfonds (u.a. MSCI World), über die indirekt auch Beteiligungen an weiteren im Artikel genannten Unternehmen bestehen. Direkte Positionen in Nvidia oder Oracle bestehen nicht; Short-Positionen in den genannten Werten bestehen nicht.

Making-of · Wie dieser Artikel entstanden ist
Making-of · Stand 5. August 2026

Ein Agent hat gezeigt, dass meine Ausgangsfrage falsch gestellt war, bevor ich sie aufschreiben konnte

Ich bin mit der These gestartet, ein erheblicher Teil des Cloud-Wachstums von AWS und Google Cloud sei durch Buchgewinne aufgebläht. Ein Agent hatte den ausdrücklichen Auftrag, das zu widerlegen, und hat geliefert: Beteiligungsgewinne stehen in „Other income“ und können nach den Segmentregeln gar nicht in den Cloud-Umsatz gelangen. Die 82 Prozent Wachstum bei Google Cloud und die 36,7 bei AWS sind echter, abgerechneter Umsatz. Ich hätte am falschen Objekt gemessen. Der Artikel wurde daraufhin von „aufgeblähtes Umsatzwachstum“ auf „aufgeblähter Gewinnausweis“ umgebaut, und das ist die Geschichte, die trägt.

Die Pipeline dieses Laufs
PHASE 01
Sechs Research-Agenten parallel
Amazon-Zahlen, Alphabet-Zahlen, Gegenseite (Anthropic und OpenAI), außerbilanzielle Strukturen, Methodik der Bilanzierung, plus ein ausdrücklich adversarialer Lauf gegen die eigene These.
PHASE 02
These umgebaut
Der adversariale Agent kippte den Umsatz-Teil. Trennung in drei Objekte eingeführt: Konzerngewinn, Segmentumsatz, Finanzierung. Nur das erste trägt diesen Artikel.
PHASE 03
Microsoft als Kontrollfall
Zweiter Lauf allein für Microsoft. Ergebnis war das Paradox: 5 Mrd. in Anthropic bringen 3,2 Mrd. Buchgewinn, 11,9 Mrd. in OpenAI bringen 0,48. Damit stand die Erklärung über die Bilanzierungsmethode.
PHASE 04
Fact-Check gegen Primärquellen
Zwei unabhängige Prüfläufe. Die Earnings-Release-PDFs von Amazon und Alphabet wurden direkt gelesen, nicht über Sekundärquellen. Eine Zahl wurde korrigiert, mehrere im Härtegrad herabgestuft.
PHASE 05
Reviewer und Gates
Artikel-Fact-Check, UI- und SEO-Review, juristischer Review wegen der Nennung börsennotierter Konzerne im Risiko-Kontext, deutscher Lektoratsdurchgang, Typografie-Gate.

Methodik der Plausibilitäts-Rechnungen [△]

1. Amazons Buchgewinn nach Steuern, rund 41,6 Mrd. Amazon weist den Vorsteuer-Wert aus (53,4 Mrd.), nicht den Nachsteuer-Wert. Aus dem 10-Q ist der ausgewiesene Steueraufwand für das erste Halbjahr mit 15,9 Mrd. und für das erste Quartal mit 4,1 Mrd. belegt. Die Differenz von rund 11,8 Mrd. ist der Steueranteil des zweiten Quartals. 53,4 minus 11,8 ergibt rund 41,6. Amazon nennt diesen Wert nicht selbst.

2. Microsofts Buchgewinn nach Steuern, rund 3,1 Mrd. Microsoft nennt zwei Werte, die nicht dieselbe Basis haben: den OpenAI-Effekt mit 480 Mio. ausdrücklich als Effekt auf den Nettogewinn, also nach Steuern, und den Anthropic-Gewinn mit 3,2 Mrd. ohne Steuerangabe. Für die 3,2 Mrd. ist hier Microsofts effektiver Steuersatz des Quartals von 18,8 Prozent angesetzt (8.281 Mio. Steueraufwand auf 44.047 Mio. Vorsteuerergebnis), was rund 2,6 Mrd. ergibt. Zusammen rund 3,1 Mrd. Microsoft nennt diesen Gesamtwert nicht selbst, und ob die 3,2 Mrd. vor- oder nachsteuerlich gemeint sind, sagt der Konzern nicht. Wären sie ein Nachsteuer-Wert, läge das bereinigte Wachstum bei rund 12 statt 14 Prozent.

3. Wachstum ohne Buchgewinn, rund 22, 29 und 14 Prozent. Hier wurden beide Perioden bereinigt, nicht nur das laufende Quartal. Das ist der methodisch entscheidende Punkt: Auch im Vorjahresquartal standen Beteiligungseffekte in den Büchern (Amazon 1,117 Mrd. vorsteuerlich, Alphabet 1,286 Mrd. vorsteuerlich, Microsoft ein Verlust von 1,575 Mrd. nach Steuern). Rechnet man sie nur aus dem aktuellen Quartal heraus, vergleicht man eine bereinigte mit einer unbereinigten Zahl. Bei Amazon und Alphabet fällt das bereinigte Wachstum dadurch zu niedrig aus, bei Microsoft zu hoch, weil dort im Vorjahr ein Verlust die Basis gedrückt hat. Eine frühere Fassung dieses Artikels hat nur einseitig bereinigt und kam deshalb auf 16 und 24 Prozent.

4. Anteil am Gewinnzuwachs, rund 92, 91 und 54 Prozent. Differenz der Nachsteuer-Buchgewinne beider Quartale, geteilt durch die Differenz der Nettogewinne. Bei Alphabet ist der Nachsteuer-Wert für das laufende Quartal (77,1 Mrd.) offiziell, alle übrigen sind abgeleitet. Keine Quelle nennt diese Verhältniszahlen.

5. Die 50 Mrd. Finanzinvestoren in Diagramm 04. Differenzrechnung: 65 Mrd. Gesamtvolumen minus die von Anthropic ausdrücklich genannten 15 Mrd. bereits zugesagter Hyperscaler-Investitionen. Anthropic nennt die Einzelbeträge der Finanzinvestoren nicht, nur ihre Namen. Die Zahl ist damit eine Restgröße, keine Summe von Einzelposten.

6. Die Zeitreihe in Diagramm 03 ist keine Rechnung, sondern besteht aus abgelesenen Werten von je einer Zeile pro Konzern über sechs Earnings Releases[15]. Sie ist bewusst vorsteuerlich, weil nur der Vorsteuer-Wert für alle sechs Quartale bei beiden Konzernen ausgewiesen ist. Die Nachsteuer-Werte aus dem übrigen Artikel sind damit nicht direkt vergleichbar.

7. Die Abgrenzung bei Amazon, und warum sie das Ergebnis verschiebt. Amazon weist keinen separaten Posten „Buchgewinn“ aus. Verwendet ist hier durchgehend die Zeile „Other income (expense), net“. Sie ist etwas breiter als die reine Anthropic-Aufwertung: Für das zweite Quartal 2026 nennt Amazon rund 50,5 Mrd. Aufwertungen auf Beteiligungen an nicht börsennotierten Firmen, die Zeile insgesamt beträgt 53,415 Mrd. Der Unterschied sind kleinere Bewertungsposten, überwiegend ebenfalls ohne Zahlungswirkung. Die Wahl ist nicht neutral: Mit der engeren Abgrenzung läge Amazons bereinigtes Wachstum bei rund plus 32 statt plus 22 Prozent, weil dann auch weniger herausgerechnet wird. Der Artikel nutzt die breitere Zeile, weil seine Frage lautet, wie viel des Gewinns keine Zahlung ist, und nicht, wie viel davon auf eine einzelne Beteiligung entfällt.

8. Der freie Cashflow von minus 13,5 Mrd. Alphabets Quartalswert von minus 5,855 Mrd. steht in der Reconciliation-Tabelle. Amazon weist im Release nur den Zwölfmonatswert aus (minus 7,604 Mrd.). Der hier verwendete Quartalswert von minus 7,7 Mrd. ist nach Amazons eigener Definition aus dem Quartal gerechnet: operativer Cashflow 45,387 minus Sachinvestitionen 54,208 zuzüglich Erlöse und Anreize 1,132.

Was dieser Artikel ausdrücklich nicht weiß

Fünf Stellen, an denen die Recherche keine vollständige Antwort hat: Microsoft nennt für den Anthropic-Gewinn von 3,2 Mrd. keinen Steuersatz, der Nachsteuer-Wert in Diagramm 05 beruht deshalb auf einer Annahme · Alphabet nennt in der Bilanzpresse nur ein Aggregat und schlüsselt nicht auf, wie viel der 99,0 Mrd. auf Anthropic und wie viel auf SpaceX entfällt (die Zuordnung stammt von Bloomberg, nicht von Alphabet) · Microsofts genauer prozentualer Anteil an Anthropic ist nicht offengelegt, nur die Investitionssumme · ob der ausgewiesene Steueraufwand auf die Buchgewinne zahlungswirksam wird oder als latente Steuer stehen bleibt, ließ sich aus den Pressemitteilungen nicht klären, deshalb steht im Artikel nur der Ergebniseffekt und keine Aussage über Steuerzahlungen · die Leasing-Zahlen aller drei Konzerne stammen aus Sekundärquellen, die aus den Filings zitieren, ein Direktabgleich mit dem Originaltext war wegen Zugriffssperren nicht möglich.

Dazu offen: Von den 15 Mrd. Hyperscaler-Geld in der Series H sind nur die 5 Mrd. von Amazon namentlich zugeordnet. Wer die übrigen 10 Mrd. gestellt hat, sagt Anthropic nicht.

Reviewer-Pass: zwei unabhängige Fact-Check-Läufe gegen Primärquellen vor der Veröffentlichung, UI- und SEO-Review, juristischer Review, deutscher Lektoratsdurchgang, deterministisches Typografie-Gate.

Was der letzte Prüflauf gefunden hat. Nach der Überarbeitung lief ein weiterer Durchgang mit dem ausdrücklichen Auftrag, die eigenen Zahlen zu widerlegen statt zu bestätigen. Er hat drei echte Fehler gefunden, die hier korrigiert wurden: Der Artikel behauptete, Microsofts Anthropic-Gewinn sei nur mündlich im Earnings Call gefallen, tatsächlich steht er im Wortlaut in der Pressemitteilung. Er bezeichnete 135 Mrd. als Buchwert von Microsofts OpenAI-Position, es ist eine Marktwert-Schätzung, bilanziell sind 11,9 Mrd. eingezahlt. Und er kürzte ein Zitat von EY an einer Stelle, an der der weggelassene Halbsatz die Aussage in eine andere Richtung dreht. Alle drei Stellen sind oben und im Text gekennzeichnet.

QuellenBelege, Filings, Transkripte

Konvention im Artikel: harte Zahlen, Zitate und externe Modell-Outputs sind im Fließtext mit einer hochgestellten Quellen-Nummer markiert. Klick springt direkt zum jeweiligen Eintrag. Drei Härtegrade visuell unterschieden:

[N] harte Primärquelle (Earnings Release, SEC-Filing, offizielle Pressemitteilung) [N°] Analyst-Schätzung, Transkript-Zitat oder Sekundär-Bericht [] eigene Plausibilitäts-Rechnung, Methodik im Making-of
  1. 01Amazon · Earnings Release Q2 2026 (30.07.2026) · Nettogewinn 62,647 Mrd., Other income (expense), net 53,415 Mrd. mit dem wörtlichen Zusatz „primarily from our investments in Anthropic“. Freier Cashflow TTM minus 7,604 Mrd. gegen plus 18,184 Mrd. im Vorjahr. AWS 42,232 Mrd. bei plus 36,7 Prozent. Langfristige Schulden 65,648 Mrd. (31.12.2025) auf 128,894 Mrd. (30.06.2026). Direkt gelesene Primärquelle.
  2. 02Alphabet · Earnings Release Q2 2026 (22.07.2026) · Nettogewinn 112,193 Mrd., „Gain on equity securities, net“ 99,031 Mrd. Fußnote wörtlich: der Gewinn erhöhte Steueraufwand, Nettogewinn und Ergebnis je Aktie um 21,9 Mrd., 77,1 Mrd. und 6,26 USD. Freier Cashflow Q2 minus 5,855 Mrd. Eigenkapitalerhöhung Juni 2026 über 49,6 Mrd. netto plus ATM-Programm über 40 Mrd. Google Cloud 24,768 Mrd. bei plus 82 Prozent. Direkt gelesene Primärquelle.
  3. 03Microsoft · FY2026 Q4 Ergebnisse (29.07.2026) · Umsatz 90,0 Mrd., Nettogewinn 35,8 Mrd., Azure plus 43 Prozent, freier Cashflow rund 19,6 Mrd. OpenAI-Effekt nach Equity-Methode plus 480 Mio. im Quartal (0,07 USD je Aktie, ablesbar aus der Differenz zwischen GAAP- und Non-GAAP-Ergebnis je Aktie), FY2026 gesamt plus 4,963 Mrd.
  4. 04CNBC · „Big Tech's Anthropic and OpenAI stakes are distorting the corporate earnings picture“ (03.08.2026) · Tajinder Dhillon (LSEG) wörtlich: „Without those gains from just Alphabet and Amazon's private company stakes, aggregate earnings growth would be sitting around 29%“, gegenüber rund 48 Prozent gemeldet. Enthält auch Gil Luria (D.A. Davidson) zur Frage, dass Analysten diese Posten bereits herausrechnen. Datenanbieter-Auswertung über einen Medienbericht.
  5. 05Anthropic · Series-H-Pressemitteilung (28.05.2026) · 65 Mrd. frisches Kapital, 965 Mrd. Post-Money-Bewertung. Das Preisereignis, das die Neubewertungen bei Amazon, Alphabet und Microsoft im selben Quartal ausgelöst hat. Zur Herkunft des Geldes wörtlich: „It also includes $15 billion of previously committed investments from hyperscalers, including $5 billion from Amazon.“ Co-geführt laut Mitteilung von Capital Group, Coatue, D1 Capital Partners, GIC, ICONIQ und XN, weitere genannte Investoren unter anderem Blackstone, Brookfield, Fidelity, Jane Street, Lightspeed, MGX, T. Rowe Price und Temasek. Google erscheint nicht als Geldgeber, sondern über eine Zusage für fünf Gigawatt TPU-Kapazität gemeinsam mit Broadcom.
  6. 06Bloomberg · Alphabets Anthropic-Anteil bei rund 124 Mrd. (23.07.2026) · Alphabet bezifferte in einem separaten Filing den Fair Value einer nicht namentlich genannten Beteiligung an einem privaten Unternehmen auf rund 124,3 Mrd. zum 30.06.2026. Die Zuordnung zu Anthropic stammt von Bloomberg, nicht von Alphabet. Welche Filing-Art die Offenlegung enthielt, ist in den Sekundärquellen uneinheitlich beschrieben (8-K oder 10-Q), ein Direktabgleich mit dem Original war nicht möglich.
  7. 07TechCrunch · Microsoft verbucht 3,2 Mrd. aus der Anthropic-Beteiligung (29.07.2026) · Einordnung der Zahl und Kontext: Microsoft investierte im November 2025 rund 5 Mrd. in Anthropic. Die Investitionssumme selbst stammt aus dieser Berichterstattung. Sekundärbericht. Die 3,2 Mrd. sind nicht von hier belegt, sondern aus Microsofts eigener Pressemitteilung[03], wo sie im Wortlaut stehen. Eine frühere Fassung dieses Artikels führte die Zahl fälschlich als reines Zitat aus dem Earnings Call.
  8. 08Amazon · Zusätzliche Investition in Anthropic (20.04.2026) · 5 Mrd. sofort auf die bis dahin gezahlten 8 Mrd., insgesamt bis zu 25 Mrd. weitere zugesagt. Kumuliert tatsächlich eingezahlt: 13 Mrd. Im Gegenzug Compute-Verpflichtung Anthropics gegenüber AWS.
  9. 09Bloomberg · OpenAI mit 852 Mrd. bewertet nach Abschluss der 122-Mrd.-Runde (31.03.2026) · Amazon mit 50 Mrd. größter Einzelinvestor, Nvidia und SoftBank mit je 30 Mrd. Amazons Anteil laut Berichterstattung in Tranchen strukturiert.
  10. 10Silicon Analysts · Hyperscaler-Capex gegen Cashflow (10.07.2026) · Amazon: Capex der letzten vier Quartale 151,0 Mrd. gegen operativen Cashflow 148,5 Mrd., Quote 102 Prozent. Zum Vergleich Alphabet 63, Meta 61, Microsoft 57 Prozent. Unabhängige Auswertung eines Fachblogs, kein Bankhaus-Research.
  11. 11Nvidia · Q1 FY2027 Ergebnisse (20.05.2026) · Umsatz 81,615 Mrd., Nettogewinn 58,321 Mrd., davon 15,9 Mrd. Gewinne aus Beteiligungen (13,4 Mrd. börsennotiert, überwiegend CoreWeave, 2,6 Mrd. nicht börsennotiert). Nächster Bericht am 26.08.2026. Der Bestandswert nicht börsennotierter Beteiligungen (22,3 auf 43,4 Mrd.) stammt aus einer Sekundärauswertung des 10-Q.
  12. 12Bloomberg · Microsoft meldet über 130 Mrd. an neuen Rechenzentrums-Leasingverträgen (29.07.2026) · Bestand an unterschriebenen, aber noch nicht begonnenen Leasingverpflichtungen zum 30.06.2026 bei rund 329,1 Mrd., nach 196,6 Mrd. zum 31.03.2026. Sekundärquelle mit Zitat aus dem Filing, kein Direktabgleich möglich.
  13. 13Deloitte DART · Roadmap zu ASC 323, Equity Method Investments · Die Vermutung der maßgeblichen Einflussnahme ab rund 20 Prozent Stimmrechtsanteil und die Folge für die Ergebnisbuchung. Ergänzend PwC Viewpoint zu ASC 321 und zur measurement alternative für Beteiligungen ohne verlässlich bestimmbaren Marktwert. Fachliteratur zum Bilanzierungsstandard, keine Unternehmensangabe.
  14. 14EY · Technical Line zu ASU 2016-01, Recognition and Measurement of Financial Assets and Financial Liabilities · Wirksamkeit wörtlich: „The guidance is effective for calendar-year public business entities beginning in 2018“, für Geschäftsjahre, die nach dem 15. Dezember 2017 beginnen. Zur Abschaffung der cost method wörtlich: Unternehmen „no longer use the cost method of accounting as it was applied before they adopted ASU 2016-01 for equity securities that do not have readily determinable fair values. As such, the new guidance could significantly increase earnings volatility for some entities.“ Fachpublikation einer Prüfungsgesellschaft zum Standard, keine Unternehmensangabe.
  15. 15Zeitreihe Diagramm 03 · Earnings Releases der sechs Quartale, jeweils direkt gelesen: Amazon Q1 2026, Q4 2025, Q3 2025 · Alphabet Q1 2026, Q4 2025, Q3 2025. Werte für Q1 und Q2 2025 aus den Vergleichsspalten derselben Dokumente. Amazon: Zeile „Other income (expense), net“ (2,749 · 1,117 · 10,186 · 1,177 · 15,647 · 53,415). Alphabet: Zeile „Gain (loss) on equity securities, net“ (9,758 · 1,286 · 10,734 · 2,302 · 36,915 · 99,031). Alphabet nennt zusätzlich den Nachsteuer-Effekt je Quartal in der Fußnote, für Q4 2025 1,8 Mrd. und für Q1 2026 28,7 Mrd.
  16. 16Microsoft · Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30.06.2026) · Zur OpenAI-Beteiligung wörtlich: „We have an investment accounted for under the equity method that represents an approximate 25% interest on an as-converted basis“ sowie „We have made total funding commitments of $13.0 billion related to our investment, of which $11.9 billion has been funded as of June 30, 2026.“ Zur Bewertungsmethode: „We calculate our equity method income or loss using the hypothetical liquidation at book value (‚HLBV‘) method because our liquidation rights and priorities differ from our underlying ownership interest.“ Direkt gelesene Primärquelle.
  17. 17Constellation Research · Microsofts OpenAI-Anteil und dessen geschätzter Wert · Grundlage für die im Umlauf befindliche Größenordnung von rund 135 Mrd. für Microsofts OpenAI-Position. Sekundärquelle mit einer Marktwert-Schätzung. Dieser Wert steht so nicht in Microsofts Bilanz: unter der Equity-Methode wird die Beteiligung mit den Einzahlungen abzüglich übernommener Verluste geführt, nicht mit einem Marktwert. Eine frühere Fassung dieses Artikels bezeichnete die 135 Mrd. fälschlich als Buchwert.